Bürostühle

Ein Bürostuhl sollte nicht nur ergonomischen Richtlinien folgen, seine Aufgabe ist es sich optimal an die Physionomie des Menschen anzupassen. In einer fundierten physiotherapeutischen Beratung werden die körperlichen Einschränkungen und die Tätigkeiten am Arbeitsplatz analysiert.

Das Ergebnis sind nicht nur sehr detailierte Informationen über den Stuhl, Tischhöhe, Monitorposition, Maus, Tastatur, Vorlagenhalter, vorallem ist es das sich „Bewusstsein “ über die Möglichkeiten und Grenzen des Bewegungsapparates am Arbeitsplatz.

Sitzhaltungen im Bürodrehstuhl
Im Sitzen variiert der Körperschwerpunkt bei unterschiedlichen Sitzhaltungen, diese lassen sich in drei verschiedene Kategorien einteilen:


1. Die aktive ( vordere ) Sitzhaltung:
In der aktiven Sitzhaltung, die durch Kippen des Beckens nach vorn und durch Aufrechthalten des Rückens eingenommen werden kann, befindet sich der Körperschwerpunkt vor den Sitzbeinknochen, und mehr als 25 % des Körpergewichts werden über die Füße an den Boden abgegeben. Diese Sitzhaltung ist am häufigsten anzutreffen. Ganze 45 % der Zeit, die wir im Sitzen verbringen, beugen wir uns über einen Arbeitstisch. 26 % der Zeit sitzen wir aufrecht. Nur 15 % unseres Arbeitstags sitzen wir in zurückgelehnter Arbeitshaltung. (Dowell et al,2001)

2. Die neutrale ( mittlere ) Sitzhaltung:
In der mittleren Sitzhaltung ist das Becken leicht gekippt und wird durch eine passende Rückenlehne gestützt. Hier ist der Schwerpunkt in einer Linie mit den Sitzbeinknochen und ca. 25 % des Körpergewichts werden über die Füße an den Boden abgegeben.

3. Die entspannte ( hintere ) Sitzhaltung:
In der zurückgelehnten Sitzhaltung, die durch kippen des Stuhls ( bei konstantem Sitzwinkel ) befindet sich der Schwerpunkt hinter den Sitzbeinknochen und weniger als 25 % des Körpergewichts werden über die Füße an den Boden abgegeben.   (Schoberth, 1962; Eklund, 1986).

 R OrtengrenA L NachemsonB J AnderssonH Broman , 1975

Auszug:

Die Sitzhaltung: eine elektromyographische und diskometrische Studie

Der Bandscheibendruck der dritten lumbalen Bandscheibe und die myoelektrische Aktivität mehrerer Rückenmuskeln wurden gemessen. Es wurden drei stehende und neun ungestützte Sitzpositionen sowie acht Unterstützungsparameter und sechs sitzende Tätigkeiten untersucht.

1. Die myoelektrische Aktivität ist im Stehen und im entspannten ungestützten Sitzen etwa gleich hoch. In den ungestützten Sitzpositionen findet sich die höchste Aktivität im vorderen und die niedrigste im hinteren Sitzen. In der Hals- und Lendenmuskulatur ist die Aktivität immer geringer als in der Muskulatur des Brustkorbbereichs. Der Bandscheibendruck ist im ungestützten Sitzen wesentlich höher als im Stehen. In den freitragenden Sitzpositionen ist der höchste Bandscheibendruck im vorderen Sitzen und der niedrigste im geraden Sitzen zu finden.

2. Sowohl die myoelektrische Aktivität als auch der Bandscheibendruck nehmen ab, wenn der Rücken unterstützt wird. Von den Stützparametern ist die Rückenlehnenneigung der wichtigste, die myoelektrische Aktivität und der Bandscheibendruck nehmen beide mit zunehmender Neigung ab. Der Bandscheibendruck wird auch bei einer Erhöhung der Lendenwirbelstütze und bei der Verwendung von Armlehnen erheblich reduziert.

3. Die myoelektrische Aktivität und der Bandscheibendruck sind beide beim Schreiben vergleichsweise gering, beim Tippen höher und beim Heben noch höher.

Begrifferklärung:

Die Elektromyografie ( EMG ) ist eine elektrophysiologische Methode in der neurologischen Diagnostik, bei der die elektrische Muskelaktivität anhand von Aktionsströmen der Muskeln gemessen und dargestellt wird. Wikipedia

A L Nachemson, 1981

Auszug:

Messung des Bandscheibeninnendrucks

Durch Messung des intradiskalen Drucks in vitro wurden die hydrostatischen Eigenschaften des Nucleus pulposus einer normalen lumbalen Bandscheibe nachgewiesen. Die hydrodynamischen Eigenschaften scheinen auch bei der etwas degenerierten Bandscheibe vorhanden zu sein, nicht aber bei den stärker gestörten. Intravital durchgeführte Messungen des Bandscheibendrucks in den letzten 20 Jahren an mehr als 100 Personen haben gezeigt, wie die Belastung der lumbalen Bandscheibe mit der Körperposition des Probanden und bei der Ausführung verschiedener Aufgaben im Stehen und Sitzen variiert.

Verglichen mit dem Lastdruck im aufrechten Stehen wird der Druck beim Zurücklehnen um 50-80% reduziert, während beim ungestützten Sitzen die Last um 40%, beim Vorlehnen und Gewichtheben um mehr als 100% und bei der Vorwärtsbeugung und Rotation um 400% erhöht wird. Große Druckzunahmen wurden auch bei Probanden beobachtet, die verschiedene allgemein vorgeschriebene Kräftigungsübungen durchführten.